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Ratgeber

22. Oktober 2026

Widerrufsbutton in WooCommerce: einrichten und prüfen, ob er wirklich funktioniert

Widerrufsbutton in WooCommerce: was § 356a BGB verlangt, Germanized, German Market oder Plugin, und wie Sie prüfen, ob der Button im Shop funktioniert.

Widerrufsbutton in WooCommerce: einrichten und prüfen, ob er wirklich funktioniert
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Seit dem 19. Juni 2026 braucht jeder WooCommerce-Shop, der an Verbraucher verkauft, einen Widerrufsbutton: eine Schaltfläche „Vertrag widerrufen“, über die Kunden den Widerruf online erklären und sofort eine Eingangsbestätigung bekommen. Am schnellsten richten Sie ihn mit Germanized ab Version 4.0 ein (kostenlos), mit German Market ab Version 3.58 oder mit dem kostenlosen Plugin „EU Widerrufsbutton für WooCommerce“. Der Einbau ist schnell erledigt. Ob der Button im Alltag funktioniert, zeigt erst ein Test mit einer Gastbestellung, die Prüfliste dafür steht weiter unten.

Zur Einordnung: Ich bin WooCommerce-Entwickler, kein Anwalt. In deutschen Shops setze ich die rechtlichen Anforderungen meist mit Germanized um. Dieser Beitrag erklärt die Technik und zitiert das Gesetz. Ob Ihre Rechtstexte passen, klärt Ihr Rechtstexte-Dienst oder eine Kanzlei.

Was das Gesetz vom Widerrufsbutton verlangt

Die Pflicht steht in § 356a BGB. Sie setzt die EU-Richtlinie 2023/2673 um, die denselben Button in der ganzen EU vorschreibt, und gilt laut Verbraucherzentrale seit dem 19. Juni 2026 für Verträge, die über eine Website oder App geschlossen werden. Das Gesetz beschreibt den Ablauf ziemlich genau. Übersetzt in das, was Sie im Shop sehen müssen:

Was § 356a BGB verlangtWas das im Shop heißt
Beschriftung „Vertrag widerrufen“ oder eine eindeutige Formulierung mit derselben Bedeutung, gut lesbarButton oder Link mit genau diesem Text. Ein allgemeines „Kontakt“ oder „Service“ ist nicht eindeutig.
während der ganzen Widerrufsfrist verfügbar, hervorgehoben platziert und leicht zugänglichdauerhaft sichtbar, auch für Gäste ohne Kundenkonto und am Handy, nicht vom Cookie-Banner verdeckt
Kunde gibt seinen Namen, Angaben zum Vertrag und den Weg für die Eingangsbestätigung an oder bestätigt sieein Formular mit Name, Bestellnummer und E-Mail-Adresse
Absenden über eine Bestätigungsfunktion „Widerruf bestätigen“ein zweiter Schritt mit eigenem Knopf in genau dieser Beschriftung
Eingangsbestätigung unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger, mit dem Inhalt des Widerrufs sowie Datum und Uhrzeit des Eingangseine automatische E-Mail an den Kunden, die zuverlässig ankommt

Ein Widerruf, den der Kunde vor Ablauf der Frist über den Button abschickt, gilt als rechtzeitig. Brief und E-Mail bleiben als Weg erhalten, der Button kommt dazu. Auch beim Vergleich Shopify oder WooCommerce nimmt Ihnen die Pflicht kein System ab, sie gilt auf beiden.

Für Ihre Rechtstexte heißt das: Die Widerrufsbelehrung muss nach Art. 246a § 1 EGBGB darüber informieren, dass es die Widerrufsfunktion gibt und wo sie steht. Die Muster-Widerrufsbelehrung hat dafür seit Juni einen neuen Satz: „Sie können Ihr Widerrufsrecht auch online unter … ausüben.“ An die Stelle der Punkte kommt die Adresse Ihrer Widerrufsseite.

Die Pflicht gilt nur für Verträge mit Verbrauchern. Ein reiner B2B-Shop, der ausschließlich an Unternehmen verkauft, braucht keinen Widerrufsbutton. Ein Shop für Firmen und Privatkunden braucht ihn.

Germanized, German Market oder ein eigenes Plugin

Welcher Weg passt, hängt davon ab, was in Ihrem Shop schon läuft. Die beiden verbreiteten Rechtspakete für deutsche WooCommerce-Shops bringen den Button inzwischen mit (Stand 22. Oktober 2026):

WegWann er passt
Germanized ab Version 4.0Sie nutzen Germanized schon. Der Button steckt im kostenlosen Plugin, aktuell Version 4.1.6 mit über 70.000 aktiven Installationen.
German Market ab Version 3.58Sie nutzen German Market, das kostenpflichtige Plugin von MarketPress. Widerrufe sammelt es unter WooCommerce, Widerrufe.
EU Widerrufsbutton für WooCommerceSie setzen keines der beiden Rechtspakete ein. Kostenlos, vom Germanized-Hersteller vendidero, Version 2.4.5 vom 20. Oktober 2026, über 6.000 aktive Installationen.
Formular-Plugin ohne Shop-AnbindungSelten die richtige Wahl: Es kennt Ihre Bestellungen nicht, die Bestellnummer ist nur ein Textfeld.
eigene ProgrammierungDer Shop hat einen eigenen Checkout, Abos oder ein Headless-Frontend. So etwas baue ich als WooCommerce-Entwickler individuell, der Aufwand hängt am Shop.

Nutzen Sie Germanized, brauchen Sie das Extra-Plugin nicht. vendidero schreibt selbst, dass die Funktion ab Germanized 4.0 enthalten ist. Zwei Widerrufsbuttons im selben Shop würde ich vermeiden, Kunden wissen dann nicht, welcher gilt. Was Germanized Pro und andere Erweiterungen im Jahr kosten, steht im Beitrag Was kostet ein WooCommerce-Shop?

So richten Sie den Widerrufsbutton ein

Die Schritte gelten für Germanized und für das Einzel-Plugin von vendidero, beide nutzen dieselbe Technik und dieselben Shortcodes. Bei German Market heißen Menüpunkte und Shortcodes anders, die Prüfliste weiter unten gilt genauso.

  1. Testkopie und Backup. Richten Sie den Button zuerst auf einer Staging-Kopie des Shops ein, wenn Sie eine haben. Ein Backup vorher ist Pflicht.
  2. Plugin installieren oder aktualisieren. Germanized auf Version 4.0 oder neuer bringen, sonst „EU Widerrufsbutton für WooCommerce“ installieren. Die Einstellungen stehen danach unter WooCommerce, Einstellungen, Germanized, Allgemein, Widerrufsbutton. Beim Einzel-Plugin finden Sie sie unter WooCommerce, Einstellungen, Erweitert, Widerrufsbutton.
  3. Seite „Vertrag widerrufen“ veröffentlichen. Das Plugin legt sie als Entwurf an, mit dem Formular als Shortcode [eu_owb_order_withdrawal_request_form]. Solange die Seite Entwurf ist, zeigt der Shop den Button laut vendidero gar nicht an. Fehlt der Button, obwohl das Plugin aktiv ist, prüfen Sie das zuerst.
  4. Button platzieren. Das Plugin setzt ihn automatisch in den Footer, und zwar standardmäßig nur auf Seiten, die WooCommerce zum Shop zählt. Ich würde den Link zusätzlich ins Footer-Menü aller Seiten aufnehmen, damit er auch auf Startseite, Blog und Kontaktseite erreichbar ist. Passt die automatische Ausgabe nicht zu Ihrem Theme, schalten Sie sie ab und setzen den Link über Design, Menüs, den Website-Editor oder den Shortcode [eu_owb_order_withdrawal_button].
  5. Link im Kundenkonto einschalten. Eine Einstellung zeigt den Widerruf zusätzlich bei den Bestellungen unter „Mein Konto“. Angemeldete Kunden finden ihn dann dort, wo sie ihre Bestellung ohnehin suchen.
  6. Gast-Widerrufe prüfen lassen. Seit Version 2.4.2 legen Sie fest, ob das Plugin bei Widerrufen ohne Kundenkonto prüft, dass die Bestellung existiert und die E-Mail-Adresse dazu passt. Nach einem Update steht diese Prüfung auf „keine“, dann nimmt das Formular auch Widerrufe zu Bestellungen an, die es nicht gibt. Ich würde die Prüfung einschalten.
  7. E-Mails einrichten. Die Vorlagen für Eingang, Bestätigung und Ablehnung liegen unter WooCommerce, Einstellungen, E-Mails. Damit die Eingangsbestätigung ankommt, sollte der Shop über einen richtigen Mailserver (SMTP) versenden und nicht über die Mailfunktion des Webservers.
  8. Widerrufsbelehrung ergänzen. Der neue Satz mit der Adresse Ihrer Widerrufsseite gehört in die Belehrung. Arbeiten Sie mit einem Rechtstexte-Dienst, prüfen Sie, ob dessen aktuelle Fassung mit diesem Satz wirklich in Ihrem Shop steht.

Prüfliste: Funktioniert Ihr Widerrufsbutton wirklich?

Ob der Button funktioniert, sieht man im Backend nicht. Das zeigt nur ein Durchlauf aus Sicht eines Kunden, der nicht eingeloggt ist:

  1. Eine Testbestellung als Gast aufgeben, ohne Kundenkonto, mit einer Zahlart, die Sie danach stornieren können.
  2. Den Shop am Handy öffnen. Ist „Vertrag widerrufen“ ohne Suchen zu finden, und verdecken Cookie-Banner oder Chat-Fenster den Footer nicht?
  3. Auf den Button tippen und das Formular mit Name, Bestellnummer und E-Mail-Adresse ausfüllen. Heißt der zweite Knopf „Widerruf bestätigen“?
  4. Das Postfach prüfen, auch den Spam-Ordner. Ist die Eingangsbestätigung da, und stehen Inhalt des Widerrufs, Datum und Uhrzeit darin?
  5. Im Backend nachsehen: Hat der Shop Sie benachrichtigt, und steht die Bestellung im passenden Status, beim vendidero-Plugin etwa „Widerruf ausstehend“?
  6. Mit einer Bestellung aus mehreren Artikeln den Teilwiderruf testen, falls Sie ihn anbieten.
  7. Bei einem mehrsprachigen Shop: Button, Formular und E-Mails in jeder Sprache durchgehen.
  8. Die Widerrufsbelehrung öffnen. Nennt sie die Online-Funktion mit Adresse?

Den Durchlauf würde ich nach jedem größeren Update von WooCommerce, Theme oder Rechtspaket wiederholen. Ein Theme-Update, das den Footer neu baut, kann den Button unbemerkt mitnehmen. Ist Ihr Shop in einer WordPress-Betreuung, gehört dieser Test als fester Punkt in die Update-Routine.

Häufige Fragen

Ab wann ist der Widerrufsbutton Pflicht?

Seit dem 19. Juni 2026. Er gilt für Verträge mit Verbrauchern, die über eine Website oder App geschlossen werden, also für jeden WooCommerce-Shop mit Privatkunden. Grundlage ist § 356a BGB.

Brauche ich den Widerrufsbutton im B2B-Shop?

Nur für Bestellungen von Verbrauchern. Ein Shop, der ausschließlich an Unternehmen verkauft, braucht ihn nicht. Verkaufen Sie an Firmen und Privatkunden, braucht der Shop den Button.

Ist der Widerrufsbutton in Germanized kostenlos?

Ja. Er steckt seit Version 4.0 im kostenlosen Germanized und ist dort nicht als Pro-Funktion gekennzeichnet. Für Shops ohne Germanized gibt es das ebenfalls kostenlose Plugin „EU Widerrufsbutton für WooCommerce“ vom selben Hersteller.

Reicht eine E-Mail-Adresse oder ein Kontaktformular?

Nein. Das Gesetz verlangt eine Funktion mit zwei Schritten, „Vertrag widerrufen“ und „Widerruf bestätigen“, und eine automatische Eingangsbestätigung. Brief und E-Mail bleiben für Kunden zusätzlich möglich, ersetzen den Button aber nicht.

Muss ich die Widerrufsbelehrung anpassen?

Ja. Sie muss sagen, dass es die Online-Widerrufsfunktion gibt und wo sie zu finden ist. Die Muster-Widerrufsbelehrung enthält dafür seit Juni 2026 den Satz „Sie können Ihr Widerrufsrecht auch online unter … ausüben“, ergänzt um die Adresse Ihrer Widerrufsseite.

Was ist der Unterschied zum Kündigungsbutton?

Der Kündigungsbutton beendet laufende Verträge wie Abos, der Widerrufsbutton macht einen Vertrag innerhalb der Widerrufsfrist rückgängig. Laut Verbraucherzentrale müssen Unternehmen beide Funktionen klar trennen. Bieten Sie in WooCommerce Abos an, gehören beide in den Shop, getrennt voneinander.

Einbau und Test vom Entwickler

Sie wollen sich nicht selbst durch Theme, Footer und Mailversand arbeiten? Ich richte den Widerrufsbutton in Ihrem WooCommerce-Shop ein, passe ihn an Ihr Theme an und teste den ganzen Ablauf mit einer Gastbestellung. Die Rechtstexte liefert weiter Ihr Rechtstexte-Dienst oder Ihre Kanzlei. Schreiben Sie mir über das Kontaktformular oder rufen Sie an unter 089 3288 6771.