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Aktualisiert am 28. Oktober 2026

Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für Online-Shops: Was seit Juni 2025 gilt

Seit Juni 2025 gilt das BFSG für Online-Shops: wer betroffen ist, wie Sie Ihren Shop selbst testen und was WooCommerce, Shopify und Shopware leisten.

Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für Online-Shops: Was seit Juni 2025 gilt
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Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Wer in Deutschland einen Online-Shop für Verbraucher betreibt, muss ihn seitdem so gestalten, dass Menschen mit Behinderungen ihn ohne fremde Hilfe nutzen können. Dazu kommen die Pflichtangaben zur Barrierefreiheit, die viele Shops noch nicht veröffentlicht haben.

Wie groß die Lücke noch ist, zeigt ein Test von Aktion Mensch: Von 65 Online-Shops großer deutscher Websites ließen sich im Juni 2025 nur 20 allein mit der Tastatur bedienen (Aktion Mensch: Online-Shops im Test). Einen ähnlichen Tastatur-Test machen Sie in einer halben Stunde selbst, die Anleitung steht weiter unten.

Hier lesen Sie, für welche Shops das Gesetz gilt, welche Ausnahmen und Übergangsfristen es gibt, wie Sie Ihren Shop selbst testen, was WooCommerce, Shopify und Shopware mitbringen und was bei Verstößen droht.

Dieser Artikel erklärt die Rechtslage aus Sicht eines Webentwicklers und ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 28. Oktober 2026.

Für welche Online-Shops das BFSG gilt

Die Kurzfassung:

Ihr ShopGilt das BFSG?
Verbraucher können online bestellen und bezahlenJa, seit dem 28. Juni 2025 (§ 1 Abs. 3 Nr. 5 BFSG).
Sie verkaufen nur an UnternehmenIn der Regel nein, das Gesetz spricht von Verbrauchern. Sobald auch Privatkunden bestellen können, sind Sie betroffen.
Weniger als zehn Beschäftigte und höchstens 2 Mio. Euro Umsatz oder BilanzsummeNein, Kleinstunternehmen sind bei Dienstleistungen ausgenommen (§ 3 Abs. 3 und § 2 Nr. 17 BFSG).
Die Website informiert nur, bestellt wird per Telefon oder E-MailIn der Regel nein, weil online kein Vertrag geschlossen wird. Ein Bestell- oder Buchungsformular kann das ändern.

Das BFSG setzt den European Accessibility Act (Richtlinie (EU) 2019/882) in deutsches Recht um. Für Shops ist § 1 Abs. 3 Nr. 5 BFSG entscheidend: Das Gesetz gilt für „Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr“, die nach dem 28. Juni 2025 für Verbraucher erbracht werden. § 2 Nr. 26 BFSG definiert das als Angebote über Websites und Apps, die auf individuelle Anfrage eines Verbrauchers im Hinblick auf den Abschluss eines Verbrauchervertrags erbracht werden.

Praktisch heißt das:

  • B2C-Shops, in denen Verbraucher bestellen und bezahlen, fallen darunter. Das gilt auch für Buchungsstrecken und Bestellformulare, über die ein Vertrag zustande kommt.
  • Reine B2B-Shops fallen in der Regel nicht darunter, weil das Gesetz durchgehend von Verbrauchern spricht. Wer Händler und Endkunden im selben Shop bedient, ist betroffen.
  • Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind nach § 3 Abs. 3 BFSG von den Barrierefreiheitsanforderungen ausgenommen. Kleinstunternehmen sind nach § 2 Nr. 17 BFSG Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und entweder höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder höchstens 2 Millionen Euro Jahresbilanzsumme. Beide Bedingungen müssen zusammen erfüllt sein: Ein Shop mit acht Mitarbeitern und 3 Millionen Euro Umsatz (und einer Bilanzsumme über 2 Millionen Euro) ist kein Kleinstunternehmen. Das Bundesarbeitsministerium bestätigt die Ausnahme für Dienstleistungen.

Ausnahmen bei grundlegender Veränderung oder unverhältnismäßiger Belastung

Zwei weitere Ausnahmen gelten für alle Unternehmen, sie sind aber eng. Nach § 16 BFSG müssen Sie eine Anforderung nicht erfüllen, wenn das Ihre Dienstleistung in ihren Wesensmerkmalen grundlegend verändern würde. Nach § 17 BFSG gilt das auch, wenn die Anforderung Sie unverhältnismäßig belasten würde. Die Kriterien dafür stehen in Anlage 4, vor allem das Verhältnis der Kosten für die Barrierefreiheit zu Ihren Gesamtkosten.

Einfach darauf berufen können Sie sich nicht. Sie müssen selbst beurteilen und dokumentieren, warum die Ausnahme greift, diese Beurteilung fünf Jahre ab der letzten Erbringung der Dienstleistung aufbewahren und die Marktüberwachungsbehörde unverzüglich informieren. Bei § 17 wiederholen Sie die Beurteilung mindestens alle fünf Jahre und jedes Mal, wenn sich die Dienstleistung ändert. Wer für die Barrierefreiheit Fördermittel bekommt, kann sich auf § 17 nicht berufen. Für die meisten Shops ist keine der beiden Ausnahmen ein realistischer Weg: Ein Online-Shop verändert sich nicht in seinem Wesen, wenn Buttons beschriftet und Formulare per Tastatur bedienbar werden.

Übergangsfristen: was bis 2030 weiterlaufen darf

Eine allgemeine Schonfrist für Online-Shops gibt es nicht. Die Übergangsregeln in § 38 BFSG sind eng:

  • Dienstleister dürfen ihre Dienstleistung bis zum 27. Juni 2030 weiter mit Produkten erbringen, die sie schon vor dem 28. Juni 2025 rechtmäßig dafür eingesetzt haben. Gemeint sind Produkte im Sinne des Gesetzes, also etwa Hardware oder Terminals, nicht die Website selbst.
  • Verträge über Dienstleistungen, die vor dem 28. Juni 2025 geschlossen wurden, dürfen unverändert fortbestehen, längstens bis zum 27. Juni 2030.
  • Selbstbedienungsterminals, die schon vor dem Stichtag im Einsatz waren, dürfen bis zum Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer laufen, höchstens 15 Jahre ab Ingebrauchnahme.

Für die Shop-Website selbst gibt es keine Übergangsfrist. Ausgenommen sind nach § 1 Abs. 4 BFSG nur bestimmte Inhalte: aufgezeichnete Videos und Audios sowie Office-Dateien (etwa PDFs), die vor dem 28. Juni 2025 veröffentlicht wurden, Inhalte von Dritten, die Sie weder finanzieren noch kontrollieren, und Archivinhalte, die seit dem Stichtag nicht mehr bearbeitet wurden.

Was das Gesetz von Ihrem Shop verlangt

§ 14 BFSG nennt zwei Pflichten. Der Shop muss die Barrierefreiheitsanforderungen der Verordnung zum BFSG (BFSGV) erfüllen. Und Sie müssen die Informationen nach Anlage 3 BFSG erstellen und barrierefrei veröffentlichen.

Die technischen Anforderungen. Das Gesetz verweist nicht direkt auf die WCAG. In der Praxis prüft man einen Shop gegen die harmonisierte europäische Norm EN 301 549, die für Webinhalte die Erfolgskriterien der WCAG 2.1 in den Stufen A und AA übernimmt. Die WCAG 2.1 AA sind deshalb der übliche Prüfmaßstab.

Die Informationen zur Barrierefreiheit. Nach Anlage 3 BFSG beschreiben Sie Ihre Dienstleistung, erläutern ihre Durchführung, erklären, wie der Shop die Anforderungen erfüllt, und nennen die zuständige Marktüberwachungsbehörde. Umgangssprachlich heißt das oft Barrierefreiheitserklärung. Es ist aber nicht dasselbe wie die Erklärung zur Barrierefreiheit, die öffentliche Stellen veröffentlichen. Einen Feedback-Mechanismus verlangt das BFSG von Unternehmen zum Beispiel nicht, der gehört zur Pflicht für Behörden. Was genau in die Angaben gehört, mit Muster für Online-Shops, steht in meinem Artikel Barrierefreiheitserklärung nach BFSG: Angaben und Muster.

Was bei Verstößen droht

  • Bußgeld: Wer eine Dienstleistung anbietet, die die Anforderungen nicht erfüllt, handelt nach § 37 BFSG ordnungswidrig. Möglich sind bis zu 100.000 Euro, bei anderen Verstößen, etwa fehlenden Auskünften gegenüber der Behörde, bis zu 10.000 Euro.
  • Verfahren der Marktüberwachung: Zuständig ist bundesweit die Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (MLBF) in Magdeburg. Nach § 32 BFSG können Verbraucher ein Verfahren gegen Ihren Shop beantragen, ebenso anerkannte Verbände, ohne selbst betroffen zu sein.
  • Abmahnungen: Ob Wettbewerber BFSG-Verstöße zusätzlich nach dem Wettbewerbsrecht abmahnen können, klären Sie im Zweifel mit Ihrer Rechtsberatung.

Die MLBF ist eine gemeinsame Anstalt der 16 Bundesländer und arbeitet nach eigener Angabe seit September 2025 bundesweit. Anfang Juni 2026 lagen ihr fast 700 Meldungen vor, unter anderem zu möglichen Verstößen (MLBF, Meldung vom 1. Juni 2026). Kunden können Barrieren dort über ein Online-Formular melden oder direkt einen Antrag nach § 32 BFSG stellen, der ein Verwaltungsverfahren eröffnet.

Barrierefreiheit hat auch eine Seite jenseits des Gesetzes: Wer den Checkout per Tastatur nicht abschließen kann oder Fehlermeldungen nicht versteht, kauft woanders. Davon sind nicht nur Menschen mit Behinderungen betroffen, sondern auch ältere Kunden und alle, die gerade mit einer Hand am Handy bestellen.

Ihren Shop in 30 Minuten selbst testen

Automatische Prüfprogramme finden nur einen Teil der Fehler. Wenn Sie den Einkauf einmal selbst durchspielen, sehen Sie in einer halben Stunde die Stellen, an denen Kunden wirklich hängen bleiben. Legen Sie dafür die Maus weg und benutzen Sie nur Tab, Umschalt+Tab, Enter, die Leertaste und die Pfeiltasten.

  1. Löschen Sie die Cookies oder öffnen Sie ein privates Fenster und schließen Sie den Cookie-Banner nur mit der Tastatur. Erreichen Sie „Ablehnen“ nicht oder bleibt der Fokus hinter dem Banner hängen, endet der Einkauf schon hier.
  2. Gehen Sie von der Startseite in eine Kategorie, setzen Sie einen Filter und ändern Sie die Sortierung. Achten Sie bei jedem Tab-Schritt darauf, ob Sie sehen, wo der Fokus gerade steht.
  3. Wählen Sie ein Produkt mit Variante, etwa Größe oder Farbe, und legen Sie es in den Warenkorb. Erfahren Sie ohne Maus, dass es dort angekommen ist?
  4. Ändern Sie im Warenkorb die Menge und gehen Sie zur Kasse.
  5. Lassen Sie im Checkout ein Pflichtfeld leer und senden Sie ab. Die Fehlermeldung muss sagen, welches Feld fehlt, und Sie sollten mit der Tastatur direkt dorthin kommen.
  6. Gehen Sie bis zur Auswahl der Zahlungsart. Kreditkartenfelder und Bezahlknöpfe kommen meist vom Zahlungsanbieter und werden in den Shop eingebettet. Prüfen Sie, ob Sie sie mit der Tastatur erreichen und wieder verlassen können.
  7. Vergrößern Sie die Seite im Browser auf 200 Prozent. Preis, Warenkorb-Knopf und die Felder im Checkout müssen sichtbar und bedienbar bleiben.
  8. Hören Sie sich den Weg einmal mit einem Screenreader an, mit NVDA unter Windows oder mit VoiceOver auf Mac und iPhone. Knöpfe sollten mit ihrem Zweck vorgelesen werden, nicht nur als „Schaltfläche“.

Danach lohnt sich der automatische Check mit WAVE oder Lighthouse (Schritt 1 weiter unten) für Kontraste, Alternativtexte und Formular-Labels. Der Durchgang ersetzt keine Prüfung gegen alle Kriterien der WCAG 2.1 AA. Er zeigt Ihnen aber schnell, ob Ihr Shop Barrieren hat, an denen ein Kauf scheitert, und welche davon zuerst behoben werden sollten.

WooCommerce, Shopify, Shopware: was das Shopsystem liefert und was nicht

Alle drei großen Systeme haben in den letzten Jahren an der Barrierefreiheit gearbeitet. Keines nimmt Ihnen die Pflicht ab, denn das Gesetz richtet sich an Sie als Anbieter, nicht an den Hersteller der Software. Barrieren entstehen meist dort, wo Sie selbst etwas hinzufügen: Theme, Erweiterungen, Cookie-Banner, Zahlungs-Widgets, Chat und Ihre Inhalte.

WooCommerce. Das Team schreibt, dass das Frontend des WooCommerce-Plugins im Wesentlichen den WCAG 2.2 in Stufe AA entspricht und bekannte Fehler noch behoben werden (WooCommerce Accessibility). Die Blöcke für Produktlisten, Warenkorb und Checkout sind nach der WooCommerce-Dokumentation auf Tastatur und Screenreader ausgelegt. Dort steht aber auch, dass Themes und Plugins, die den Checkout verändern, die Barrierefreiheit wieder kaputt machen können. Prüfen Sie den Checkout deshalb besonders genau, wenn Plugins für Zahlungsarten, Zusatzfelder oder Gutscheine darin stecken. Wie ich WooCommerce-Shops umbaue und betreue, steht auf meiner Seite als WooCommerce-Freelancer.

Shopify. Themes im Shopify Theme Store müssen im Lighthouse-Test für Barrierefreiheit im Schnitt mindestens 90 Punkte erreichen und vollständig per Tastatur bedienbar sein (Shopify, Anforderungen an Themes). Für den Checkout hat Shopify einen Prüfbericht nach WCAG 2.2 veröffentlicht, der mehrere Kriterien nur als teilweise erfüllt angibt, etwa den sichtbaren Fokus und Kontraste. Im selben Bericht steht, dass Händler selbst dafür verantwortlich sind, dass ihr Shop die geltenden Gesetze einhält, ausdrücklich auch den European Accessibility Act (Shopify Checkout Accessibility Conformance Report). Apps und Anpassungen am Theme-Code prüfen Sie also selbst.

Shopware. Shopware will die WCAG 2.1 AA und die BITV 2.0 in der Storefront erfüllen, nennt aber selbst noch offene Punkte. Seit Version 6.7.0 sind die Verbesserungen standardmäßig aktiv, vorher steckten sie hinter einem Schalter (Shopware Developer Documentation). Für eigene Themes und Erweiterungen sind nach Shopware die Entwickler verantwortlich. Wer noch auf 6.6 oder älter läuft, sollte das Update auf 6.7 einplanen.

Reicht ein Barrierefreiheits-Plugin oder ein Overlay?

Nein. Die Überwachungsstellen von Bund und Ländern für die Barrierefreiheit öffentlicher Websites schreiben, dass ein Webauftritt durch ein Overlay-Tool nicht zwingend barrierefrei wird und dass solche Tools die Zugänglichkeit für Menschen mit Hilfstechnik oft sogar verschlechtern (BFIT-Bund: Einschätzung zu Overlay-Tools). Die Einschätzung bezieht sich auf öffentliche Stellen, das technische Problem ist bei Shops dasselbe. Welche Plugins beim Prüfen wirklich helfen und warum Overlays wie accessiBe oder UserWay keinen Shop BFSG-konform machen, steht in meinem Ratgeber WordPress barrierefrei machen.

Die häufigsten Barrieren in Online-Shops

Bei Shop-Prüfungen tauchen immer wieder dieselben Punkte auf:

  1. Zu schwache Kontraste bei Texten, Preisen und Buttons
  2. Elemente, die nur per Maus funktionieren, etwa Dropdown-Menüs, Filter oder Mengenauswahl
  3. Fehlende Alternativtexte bei Produktbildern
  4. Unklare Fehlermeldungen im Checkout, die nicht sagen, welches Feld falsch ist
  5. Buttons und Icons ohne Beschriftung, die ein Screenreader nur als „Schaltfläche“ vorliest

Vieles davon lässt sich mit überschaubarem Aufwand beheben.

Schritt für Schritt zum barrierefreien Shop

Schritt 1: Den Ist-Zustand prüfen

Spielen Sie zuerst den Tastatur-Test von oben durch. Danach finden automatische Tools einen Teil der übrigen Fehler, etwa fehlende Alternativtexte, Kontrastprobleme und fehlende Formular-Labels. Kostenlos sind:

Tastaturfallen, eine unlogische Fokus-Reihenfolge oder einen Checkout, der mit dem Screenreader nicht funktioniert, finden diese Tools nicht. Dafür braucht es einen manuellen Test.

Schritt 2: Die schnellen Verbesserungen

  • Alternativtexte nachrüsten: Beschreiben Sie jedes Produktbild kurz und konkret, z. B. „Damenschuh aus Leder, rot, Absatz 5 cm“.
  • Farbkontraste anpassen: Normaler Text braucht nach WCAG 2.1 AA ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1. Prüfen können Sie das mit dem WebAIM Contrast Checker.
  • Formulare beschriften: Jedes Eingabefeld braucht ein sichtbares, verknüpftes Label. Ein Platzhaltertext im Feld reicht nicht.

Schritt 3: Die größeren Baustellen

  • Tastaturbedienung testen: Kommt man nur mit Tab, Enter und Pfeiltasten vom Produkt bis zur Bestellbestätigung?
  • Mobile Bedienung prüfen: Sind Buttons groß genug und lässt sich die Seite vergrößern, ohne dass Inhalte verschwinden?
  • Dynamische Elemente für Screenreader aufbereiten: Filter, Live-Suche und Warenkorb-Meldungen brauchen passende ARIA-Attribute, damit Änderungen angesagt werden.

Schritt 4: Informationen veröffentlichen und das Team schulen

  • Veröffentlichen Sie die Informationen zur Barrierefreiheit nach Anlage 3 BFSG, meist als eigene Seite mit Link im Footer. Pflicht ist das seit dem 28. Juni 2025.
  • Schulen Sie alle, die Inhalte pflegen. Ein barrierefreies Theme hilft wenig, wenn neue Produkte ohne Alternativtext online gehen.

Checkliste für Ihren Shop

  • Alle Produktbilder haben aussagekräftige Alternativtexte.
  • Farbkontraste von Text zu Hintergrund liegen bei mindestens 4,5:1.
  • Formularfelder sind mit Labels verknüpft, Platzhalter ersetzen keine Labels.
  • Der ganze Bestellprozess funktioniert per Tastatur (Test mit der Tab-Taste).
  • Videos haben Untertitel oder Transkripte.
  • Überschriften sind sauber gegliedert (h1, h2, h3).
  • Fehlermeldungen im Checkout sagen konkret, was falsch ist, z. B. „Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein“.
  • Die Informationen zur Barrierefreiheit nach Anlage 3 BFSG sind veröffentlicht.

Die ausführliche Checkliste für eine barrierefreie Website mit einer Begründung zu jedem Punkt können Sie im Browser abhaken oder als PDF speichern.

Alle Kriterien im Detail finden Sie in der WCAG-Kurzreferenz des W3C.

Tools und Quellen

Häufige Fragen

Gilt das BFSG für meinen B2B-Shop?

In der Regel nicht, denn das Gesetz erfasst Online-Shops, über die Verbraucher Verträge schließen. Sobald auch Privatkunden bei Ihnen bestellen können, sind Sie betroffen. Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme sind ausgenommen.

Was passiert, wenn mein Shop nicht barrierefrei ist?

Die Marktüberwachungsstelle MLBF kann verlangen, dass Sie nachbessern, und Verbraucher oder anerkannte Verbände können ein Verfahren gegen Ihren Shop beantragen (§ 32 BFSG). Für einen Shop, der die Anforderungen nicht erfüllt, sieht § 37 BFSG ein Bußgeld bis 100.000 Euro vor. Dazu kommen Kunden, die den Kauf abbrechen, weil sie nicht weiterkommen.

Reicht ein Barrierefreiheits-Plugin?

Nein. Plugins helfen beim Prüfen und gleichen einzelne Schwächen aus, barrierefrei wird ein Shop aber durch Theme, Inhalte, Formulare und Checkout. Die Überwachungsstellen von Bund und Ländern schreiben, dass Overlay-Tools eine Website nicht zwingend barrierefrei machen und die Bedienung mit Hilfstechnik oft verschlechtern.

Muss ich bei Shopify, WooCommerce oder Shopware selbst etwas tun?

Ja. WooCommerce, Shopify und Shopware liefern einen Kern, der weitgehend barrierefrei sein soll, die Pflicht nach dem BFSG liegt aber bei Ihnen als Anbieter. Shopify schreibt das in seinem Prüfbericht zum Checkout ausdrücklich. Theme, Apps oder Plugins, Cookie-Banner, Zahlungs-Widgets und Ihre Produkttexte und Bilder prüfen Sie selbst.

Wie prüfe ich meinen Shop am schnellsten?

Spielen Sie einen Einkauf nur mit der Tastatur durch, vom Cookie-Banner über Filter und Warenkorb bis zur Zahlungsart, und lassen Sie im Checkout einmal ein Pflichtfeld leer. Danach prüfen WAVE oder Lighthouse Kontraste, Alternativtexte und Labels. Das dauert zusammen etwa eine halbe Stunde und ersetzt keine vollständige Prüfung nach WCAG 2.1 AA.

Ihr nächster Schritt

Wenn Ihr Shop noch nicht geprüft ist, fangen Sie mit dem Checkout an. Dort entscheidet sich, ob jemand kaufen kann, und dort sitzen mehrere der typischen Barrieren aus der Liste oben: Formulare, Fehlermeldungen und Tastaturbedienung.

Sie möchten das nicht selbst machen? Ich mache WordPress- und WooCommerce-Shops barrierefrei: Prüfung gegen die WCAG 2.1 AA, Behebung der Befunde und die passenden Informationen nach Anlage 3. Schreiben Sie mir, dann schaue ich mir Ihren Shop an.

Welche Plugins bei einer barrierefreien WordPress-Website helfen, steht in meinem Beitrag über die wichtigsten Plugins für eine barrierefreie WordPress-Website.